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Laßt uns doch die Bildung privatisieren …

Kategorie: Brainware, Schule 2.0 | Tags: , , | Kommentare deaktiviert

Seit Jahren geistert das Wort Medienkompetenz durch die Lehrerzimmer wenn das Thema auf StudiVZ & Co. kommt. Das Problem wird oft durch Verbote “gelöst”, nach dem Motto “was der Schüler nicht weiss, macht ihn nicht heiss.” Doch so wird keine Kompetenz und Bewusstsein vermittelt, so wird das Thema einfach nur unter den Tisch gekehrt.

Der Fisch stinkt vom Kopf

Wie sollen Lehrer Medienkompetenz vermitteln, wenn Sie selbst die Medien nicht nutzen? Wenn Sie Angst vor der Auseinandersetzung haben? Wenn Sie die Veränderung befürchten? Lehrer werden nicht mehr die Wächter der Bildung sein. Sie werden Schüler leiten, ihnen helfen Wissen zu erleben. Die Zeiten von x-fach kopierten Arbeitsbögen sind vorbei.

Hebt alle eure linke Sandale hoch

In dieser Zeit des Umbruches und des drohenden Machtverlustes sucht man sich gerne den Heilsbringer, der uns den Weg ins gelobte Land weisen soll. “Der alte Prophet der zählt nicht mehr, es muß jetzt schnell ein neuer her.” So finden sich viele die hier mit dubiosen Konzepten das große Geschäft wittern. Es entsteht ein Basar der Wahrsager biblischen Ausmaßes, der an “Das Leben des Brian” erinnert. Hier, nehmt Moodle, Lo-Net oder Wiki. Und der mit dem lautesten Organ erhält dann den Zuschlag.

Unter den Blinden ist der einäugige König

Solche Anbieter werden gerne ins Boot geholt, wenn es um das Thema Schule & Internet geht, denn sie sind ja kompetent. Leider fehlt den Schulen dabei die nötige Kompetenz um zu verstehen was die Konsequenzen einer solchen “Ehe” sein können. Unternehmen wollen Kapital vermehren und nicht Nächstenliebe verbreiten. Sie verfolgen ein betriebswirtschaftliches Ziel, aus einem Engagement langfristig Gewinn zu schlagen.

Ich verkaufe dann mal meine Seele

Bildung ist die Vermittlung von Wissen durch Kommunikation und die Schule der Ort wo das geschieht.“, sag’ ich immer. Als ehemalige Werbe-NutteProstituierte analysiere ich jetzt mal das Szenario “PPP bei Internet & Co.” aus Sichtweise eines (IT)-Unternehmens und entdecke gleich mehrere “Geschäftsfelder”.

  • Datenhandel: Es entstehen Benutzerprofile, die sich wunderbar für den Handel von Personendaten eignen. Während wir heutzutage erst mit dem erlangen der Geschäftsfähigkeit in das Visier von Adresshändlern gelangen, könnte man jetzt mit dem Eintritt in die Grundschule anfangen Benutzerprofile zu erstellen. Diese Problematik ist nicht nur auf die Schüler und Lehrer als Person beschränkt, sondern betrifft auch die Schule als Institution. Es wäre möglich Schulen wie in einem Basel II-Verfahren qualitativ einzustufen und diese Daten z.B. den Personalabteilungen zur Verüfgung zu stellen. Bewerber A hat dann plötzlich schlechtere Chancen, trotz gleicher Qualifikation wie Bewerber B, bei einem Bewerbungsgespräch, weil seine Schule einen schlechten Index-Wert hat, z.B. weil Schüler demographisch aus einem “schlechten” Umfeld kommen.
  • Marketing: Wenn ich die Daten nicht verkaufen will, so kann ich sie auch als Basis für eigene Vermarktungsaktivitäten nutzen. Das bedeutet in der banalsten Version Werbung, Werbung, Werbung, nach dem Motto, “diese Unterrichtseinheit wird Dir präsentiert von Deiner Sparkasse und wenn Du eine gute Note schreibst bekommst Du eine 10 € Gutschrift für Deine Call-Ya-Card.”
  • Content: Wer sich mit dem Internet-Business beschäftigt erkennt recht schnell, das Content eine wichtige Rolle spielt. Keine Inhalte = Kein Geschäft. Leider ist das erstellen von Inhalten mit Arbeit und Kosten verbunden. In Zeiten klammer Kassen kam man auf die Idee von AAL, andere arbeiten lassen, was man auch als Web 2.0 bezeichnet. Wem gehören also die Inhalte die Schulen auf Plattformen von kommerziellen Anbietern erstellen? Dem Unternehmer, der Schule oder dem Lehrer? Wer hat das Copyright, wer die Nutzungsrechte. Aus Sicht des Unternehmers ergibt sich hier folgender Business-Case. “Ich stelle dir kostenlos meine Plattform zur Verfügung und alles was du produzierst gehört mir.” Das hört sich jetzt sehr überspitzt an, aber wer die AGBs von Google, Yahoo! & Co. ließt wird solche und ähnliche Abschnitte in den AGBs finden.

Schöne neue Welt

Wer jetzt glaubt hier wird der Teufel an die Wand gemalt, dem mag es an nötigem Hintergrundwissen fehlen. In der ZDF-Dokumentation “Der gläserne Deutsche: Wie Bürger ausgespäht werden” wird sehr anschaulich diese Problematik thematisiert. “Die Deutschen haben ein Recht darauf zu erfahren, “wer was wann und bei welcher Gelegenheit über sie weiß”, urteilte das Bundesverfassungsgericht 1983. Ist das immer noch so? Mehr als ein Vierteljahrhundert später beschäftigt sich das ZDF mit der Frage: Haben wir unsere Daten tatsächlich noch im Griff?”.

Wissen ist das Gehirn einer Schule und das sollte man nicht in private Hände geben. Oder haben Sie sich schon mal Gedanken gemacht was pasiert, wenn Ihr Internet-Anbieter morgen pleite ist oder für den kostenlosen Dienst plötzlich Geld verlangt? Ist dann Ihre Schule noch immer im Netz …