Bücher vs. Internet oder Gedanken zum kulturellen Kampf der Medien …
Kategorie: Brainware | Tags: Analog vs. Digital, Douglas Adams, Good Copy Bad Copy, Joseph Weizenbaum, Reich Ranicki, Rory McGreal, Shakespeare, Steal this Film | 1 Kommentar »
Dank meiner neuen Lernumgebung war ich am Wochenende in der Lage diverse analoge Bildungsmanifestatoren, sogenannte Bücher, zu lesen. Dabei entwickelten sich diverse Loose Ends in meinem Kopf, die ich nun grob strukturiert in den Raum stellen möchte und für den Eigenbedarf festhalten will.
Was ist eigentlich eine Zeitung?
Als Online-Consultant wird man oft als personifiziertes Technologie-Orakel angesehen und mit der Frage konfrontiert “Wie sieht die Zukunft des Internet aus?”. Ich zitiere hier gerne Joseph Weizenbaum mit “Das Internet ist ein großer Misthaufen, in dem man allerdings auch kleine Schätze und Perlen finden kann.” bzw. Douglas Adams mit “42” oder sage einfach “it depends“. Besagter Kunde ist ein Fachverlag und im Gespräch über die Chancen und Risiken von Print vs. Internet erstaunte mich vor allem die Sichtweise auf die Thematik und das eigene Geschäftsmodell. Zeitungsmacher machen eine Zeitung und graben sich mit dieser beschränkten Sichtweise ihr eigenes Grab. Warum? Weil ihr “Produkt” aus der Anreicherung von Papier mit interessanten Artikeln und Werbung besteht. Im Internet versuchen nun Verlage diese Mechanik zu digitalisieren und erleiden in der Masse Schiffbruch.
From Microscope to Telescope
Erweitern wir nun für einen kleinen Augenblick mal diesen beschränkten Horizont und sehen uns das Geschäftsmodell mit nötiger Distanz an, dann könnten wir eine Zeitung auch anders sehen. Losgelöst von ihrem medialen Träger. Eine Zeitung kann man auch als Filter von Nachrichten zwischen den Produzenten und Konsumenten von Informationen sehen. Zeitung ist eine vertrauenswürdige Marke/Person, die für mich Informationen aggregiert und organisiert; unabhängig davon ob sie auf Papier oder Digital produziert wird.
Ist Analog besser als Digital?
Diese beschränkte Betrachtungsweise der Medien findet jedoch auch auf kultureller Ebene statt. Sei es im Feuilleton deutscher Zeitungen, die den kulturellen Untergang der Menschheit durch das Medium Internet kommen sehen, sei es in den Brandreden des Herrn Ranicki gegen das Fernsehen und für das Buch. Dabei wird Unwissenheit mit Schwarz/Weiß Denken gepaart. Das Medium ist völlig irrelevant meine Herren! Natürlich verbinden wir mit dem Buch gerne Brecht und Shakespeare und ein hohes Kulturgut. Doch sollte man nicht vergessen, das nicht alle 100.000 Bücher, die jährlich alleine in Deutschland erscheinen von gleicher Qualität sind. Die Verkaufschart nicht immer Spiegelbild einer kultivierten Gesellschaft sind. Jedes Medium produziert wertiges und belangloses. Jedes Medium kann zur Bildung genutzt und zur Propaganda missbraucht werden. Denn jedes Medium ist Träger von Gedanken und Sichtweisen einer Person, die auf Reaktion des Konsumenten abzielt. Wenn überhaupt ist als der Mensch das “Problem” und nicht das Medium.
Früher war alles besser …
Dieser Sichtweise zur Wertigkeit eines Buches oder einer Zeitung und der Kulturlosigkeit des Mediums Internet beruht auch auf einer verklärten Sichtweise der historischen Entwicklung des Mediums Buch. Ich könnte jetzt nicht zum Gegenschlag ausholen und auf den Vortrag “How the book destroyed Community” von Rory McGreal oder die Dokumentarfilme “Good Copy Bad Copy” und “Steal this Film“ hinweisen. Wir wollen das Buch nicht schlecht und das Internet gut reden, sondern eine Diskussion anregen, in der Scheuklappen durch Teleskope ersetzt werden und man sich traut auch mal über den Tellerrand zu schauen.








