"Jede Folgerung, die wir aus unseren Beobachtungen ziehen, ist meistens voreilig: Denn hinter den wahrgenommenen Erscheinungen gibt es solche, die wir undeutlich sehen, und hinter diesen wahrscheinlich noch andere, die wir überhaupt nicht erkennen." Gustave Le Bon

Trost der Philosophie …


Erstellt: 23. April 2009 | Autor: Wolfgang Weicht | keine Kommentare »
Kategorien: Lesestoff, Schule 2.0 | Schlagworte: , ,

… sie könnte eigentlich fester Bestandteil des Systems Bildung sein! Ist sie aber leider nicht. Auch wenn es vermehrt Unterrichtsmaterial zum Thema gibt, u.a. beim Schweizerische Dokumentationsstelle für Kinder- und Alltagsphilosophie, habe ich mich immer wieder gefragt warum das leidige Thema Religion vs. Ethik in der Schule nicht durch ein Fach Philosophie ersetzt wird? Julian Baggini zeigt in seinem unterhaltsamen Buch “Der Sinn des Lebens: Philosophie im Alltag”, das Ethik und Religion eigentlich nur als philosophische Betrachtungsweisen anzusehen sind. Auch könnte es den Schülern viel mehr für’s Leben mitgeben, wie wir spätestens seit Alaine de Botton wissen.

Ich bin erst in der Oberstufe im Fach Ethik mit der Welt der Philosophie konfrontiert worden und im nachhineine habe ich mir gewünscht es wäre viel, viel früher passiert und der Lehrer hätte das Thema nicht so verkopft aufbereitet sondern den Brückenschlag zum Alltag geschafft. Mit dem Thema Philosophie im Unterricht gibt sich eine Chance für eine andere Form der Bildung. Für eine Unterrichtsform in der Erkenntnisse entstehen weil sich Schüler und Lehrer miteinander auseinandersetzten, Meinungen bilden, Meinungen vertreten und lernen gegeneinander abzuwiegen. Ich glaube Philosophie ist das “Unterrichtsfach” mit dem höchsten Potential für Kommunikation und Auseinandersetzung, an der es oft in anderen Fächern mangelt. Es ist das Fach in der Kompetenz entsteht, sei es für soziale Aspekte, den Umgang mit Medien oder wie man sich eine eigene Meinung bildet. Die Frage ist nur “Verträgt das unsere Gesellschaft, will das unsere Gesellschaft oder wollen wir lieber die Normierung und Kategorisierung von Bildung durch Zentralabitur & Co.?”

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Ein bißchen im Hals stecken (III)


Erstellt: 22. April 2009 | Autor: der Lehrer | keine Kommentare »
Kategorien: Biss(ch)en im Hals | Schlagworte: ,

Auch wenn ich gerade kein Brötchen kaue verschlägt es mir bei so viel Dreistigkeit die Sprache. Die Zeitung mit den großen Buchstaben berichtet Online über die Hauptversammlung des verantwortlichen Verlages. Und mit welcher Weisheit beglückt uns der Vorsitzende des Vorstandes? Das tolle Internet macht Journalismus besser! Wow, bisher hatte ich den Eindruck, dass viele sogenannte Journalisten durch das Internet dazu verleitet werden ihr eigenes Gehirn überhaupt nicht mehr einzuschalten. Quote zählt und sonst nichts. Aber Stopp, das sieht Herr D. anders. Und offensichtlich hält er uns alle für so verblödet, das er uns mit der Aussage konfrontiert, dass man mit wenig = schlechtem Journalismus kein Geld verdienen kann. Der Verlag mit der Zeitung die an wenig = schlechtem Journalismus nicht zu überbieten ist meldet allerdings  in der gleichen Hauptversammlung ein Rekordergebnis für 2008. Wie jetzt?

Und was die ganze Sache schlimmer macht, ist die traurige Wahrheit, dass auch herkömmliche Printmedien offensichtlich die Kosten zu Lasten der Qualität senken. Davon sind auch die großen, seriösen Blätter mit egal wievielen Buchstaben, abgekürzt oder nicht, betroffen. Würde einer meiner Schüler versuchen mir solche hohlen Phrasen anstatt sinnvoller Antworten zu liefern hätten wir schnell ein Gespräch. Ich kann immer nur hoffen, dass die heutigen Schülerinnen und Schüler nicht zu viel Zeitung lesen und unter Umständen sogar den Blödsinn glauben der dort verzapft wird. Besser sie lernen gleich von Anfang an sich ein eigenes Bild aus vielfältigen Quellen zu machen und dann eigenständig zu entscheiden.


Social Media wächst …


Erstellt: 22. April 2009 | Autor: Wolfgang Weicht | keine Kommentare »
Kategorien: Schule 2.0 | Schlagworte: ,

Mashable liefert interessante Zahlen zur Nutzung sozialer Netze. So hat Facebook seine Nutzerzahlen weltweit innerhalb von 8 Monaten verdoppelt und vernetzt nun 200 Millionen User, bei Wachstumsraten von z.B. fast 1000 % in Spanien. Während die Nutzung von Email selbst bei Silver Surfern im Alltagsgebrauch angekommen ist nutzen fällt sie bei Nutzern von Facebook weiter ab, d.h. Jugendliche kommunizieren hauptsächlich über ihr Netzwerkseiten als über Email.

Lernplattformen müssen Social Networks werden

Für die Konzeption von Lernplattformen ist daher die Adaption der Nutzergewohnheiten von Social Networks die logische Konsequenz. Lernumgebungen sollten nicht als Insellösungen funktionieren sondern sich nahtlos in den bestehenden Kommunikationsfluß integrieren und fester Bestandteil des Social Networks eines Schülers werden. Die Trennung zwischen hier lernen und dort unterhalten wird fallen und muß fallen.


Laßt uns doch die Bildung privatisieren …


Erstellt: 22. April 2009 | Autor: Wolfgang Weicht | keine Kommentare »
Kategorien: Brainware, Schule 2.0 | Schlagworte: , ,

Seit Jahren geistert das Wort Medienkompetenz durch die Lehrerzimmer wenn das Thema auf StudiVZ & Co. kommt. Das Problem wird oft durch Verbote “gelöst”, nach dem Motto “was der Schüler nicht weiss, macht ihn nicht heiss.” Doch so wird keine Kompetenz und Bewusstsein vermittelt, so wird das Thema einfach nur unter den Tisch gekehrt.

Der Fisch stinkt vom Kopf

Wie sollen Lehrer Medienkompetenz vermitteln, wenn Sie selbst die Medien nicht nutzen? Wenn Sie Angst vor der Auseinandersetzung haben? Wenn Sie die Veränderung befürchten? Lehrer werden nicht mehr die Wächter der Bildung sein. Sie werden Schüler leiten, ihnen helfen Wissen zu erleben. Die Zeiten von x-fach kopierten Arbeitsbögen sind vorbei.

Hebt alle eure linke Sandale hoch

In dieser Zeit des Umbruches und des drohenden Machtverlustes sucht man sich gerne den Heilsbringer, der uns den Weg ins gelobte Land weisen soll. “Der alte Prophet der zählt nicht mehr, es muß jetzt schnell ein neuer her.” So finden sich viele die hier mit dubiosen Konzepten das große Geschäft wittern. Es entsteht ein Basar der Wahrsager biblischen Ausmaßes, der an “Das Leben des Brian” erinnert. Hier, nehmt Moodle, Lo-Net oder Wiki. Und der mit dem lautesten Organ erhält dann den Zuschlag.

Unter den Blinden ist der einäugige König

Solche Anbieter werden gerne ins Boot geholt, wenn es um das Thema Schule & Internet geht, denn sie sind ja kompetent. Leider fehlt den Schulen dabei die nötige Kompetenz um zu verstehen was die Konsequenzen einer solchen “Ehe” sein können. Unternehmen wollen Kapital vermehren und nicht Nächstenliebe verbreiten. Sie verfolgen ein betriebswirtschaftliches Ziel, aus einem Engagement langfristig Gewinn zu schlagen.

Ich verkaufe dann mal meine Seele

Bildung ist die Vermittlung von Wissen durch Kommunikation und die Schule der Ort wo das geschieht.“, sag’ ich immer. Als ehemalige Werbe-NutteProstituierte analysiere ich jetzt mal das Szenario “PPP bei Internet & Co.” aus Sichtweise eines (IT)-Unternehmens und entdecke gleich mehrere “Geschäftsfelder”.

  • Datenhandel: Es entstehen Benutzerprofile, die sich wunderbar für den Handel von Personendaten eignen. Während wir heutzutage erst mit dem erlangen der Geschäftsfähigkeit in das Visier von Adresshändlern gelangen, könnte man jetzt mit dem Eintritt in die Grundschule anfangen Benutzerprofile zu erstellen. Diese Problematik ist nicht nur auf die Schüler und Lehrer als Person beschränkt, sondern betrifft auch die Schule als Institution. Es wäre möglich Schulen wie in einem Basel II-Verfahren qualitativ einzustufen und diese Daten z.B. den Personalabteilungen zur Verüfgung zu stellen. Bewerber A hat dann plötzlich schlechtere Chancen, trotz gleicher Qualifikation wie Bewerber B, bei einem Bewerbungsgespräch, weil seine Schule einen schlechten Index-Wert hat, z.B. weil Schüler demographisch aus einem “schlechten” Umfeld kommen.
  • Marketing: Wenn ich die Daten nicht verkaufen will, so kann ich sie auch als Basis für eigene Vermarktungsaktivitäten nutzen. Das bedeutet in der banalsten Version Werbung, Werbung, Werbung, nach dem Motto, “diese Unterrichtseinheit wird Dir präsentiert von Deiner Sparkasse und wenn Du eine gute Note schreibst bekommst Du eine 10 € Gutschrift für Deine Call-Ya-Card.”
  • Content: Wer sich mit dem Internet-Business beschäftigt erkennt recht schnell, das Content eine wichtige Rolle spielt. Keine Inhalte = Kein Geschäft. Leider ist das erstellen von Inhalten mit Arbeit und Kosten verbunden. In Zeiten klammer Kassen kam man auf die Idee von AAL, andere arbeiten lassen, was man auch als Web 2.0 bezeichnet. Wem gehören also die Inhalte die Schulen auf Plattformen von kommerziellen Anbietern erstellen? Dem Unternehmer, der Schule oder dem Lehrer? Wer hat das Copyright, wer die Nutzungsrechte. Aus Sicht des Unternehmers ergibt sich hier folgender Business-Case. “Ich stelle dir kostenlos meine Plattform zur Verfügung und alles was du produzierst gehört mir.” Das hört sich jetzt sehr überspitzt an, aber wer die AGBs von Google, Yahoo! & Co. ließt wird solche und ähnliche Abschnitte in den AGBs finden.

Schöne neue Welt

Wer jetzt glaubt hier wird der Teufel an die Wand gemalt, dem mag es an nötigem Hintergrundwissen fehlen. In der ZDF-Dokumentation “Der gläserne Deutsche: Wie Bürger ausgespäht werden” wird sehr anschaulich diese Problematik thematisiert. “Die Deutschen haben ein Recht darauf zu erfahren, “wer was wann und bei welcher Gelegenheit über sie weiß”, urteilte das Bundesverfassungsgericht 1983. Ist das immer noch so? Mehr als ein Vierteljahrhundert später beschäftigt sich das ZDF mit der Frage: Haben wir unsere Daten tatsächlich noch im Griff?”.

Wissen ist das Gehirn einer Schule und das sollte man nicht in private Hände geben. Oder haben Sie sich schon mal Gedanken gemacht was pasiert, wenn Ihr Internet-Anbieter morgen pleite ist oder für den kostenlosen Dienst plötzlich Geld verlangt? Ist dann Ihre Schule noch immer im Netz …


Die Schüler besitzen totes Wissen …


Erstellt: 22. April 2009 | Autor: Wolfgang Weicht | keine Kommentare »
Kategorien: Biss(ch)en im Hals, Brainware | Schlagworte: , , ,

Der Lehrer steht zu sehr im Mittelpunkt, der Unterricht ist nicht effektiv genug, es kommt einfach zu wenig dabei heraus. Und es gibt offenbar eine Demotivierungsspirale. Je länger Kinder und Jugendliche die Schule besuchen, desto geringer ist die Neugier. Die Schüler lernen nur noch für die Tests, es fehlt das Bewusstsein, für ihr eigenes Leben zu lernen.

Da bringt Benno Moosmüller, stellvertretender Leiter der Hessenwaldschule in Weiterstadt, eine erschreckende Erkenntnis auf den Punkt. Alles weitere im Artikel der Frankfurter Rundschau.