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Wissensbulimi und die Folgen …

Kategorie: Ablage S | | 5 Kommentare »

bulimi@literatenmelu hat in ihrem Blog die Aktion Mehr Bildung in Blogs gestartet und nun die Digital Natives und Early Adopters aufgefordert einen Beitrag zum Thema Bildung zu schreiben, bzw. 5 Fragen dazu zu beantworten. Der Aufforderung möchte ich hiermit gerne nachkommen.

Woran erinnerst Du Dich, wenn Du an Deine Schulzeit zurückdenkst?

Da geht es wir vermutlich wie den meisten, die mit etwas Abstand über diesen Lebensabschnitt philosophieren. Die eigene Persönlichkeit entwickelt sich im Umfeld der Schule, mit allen Facetten, sowohl positiven als auch negativen. Schule selbst war eher eine Tortur.  Wissensbulimi: lernen, Arbeit schreiben und schnell wieder vergessen. Wie man eigentlich richtig lernt, hätte mir mal jemand beibringen können. Hätte ich damals die Werkzeuge und Erkenntnisse gehabt, mit denen ich heute als Projektmanager arbeite, wäre mir viel Schweiß und Blut erspart geblieben.

Auch formale Gründe des Systems Schule waren gegen mich. Ich bin eher ein kreativer Mensch. Dumm nur das zur Bemessung dessen im Kunstunterricht die Fähigkeit zum perfekten Abmalen einer Alessikanne herangezogen wurde. Kreativ war der, der das Handwerkszeug beherrscht um ein Bild zu malen. Wer Ideen kopieren konnte war also besser wie jemand der eigene Ideen selbst erstellt. Dies zog sich auch durch die Sprachfächer. Meine Rächtschreibeschwäche sorgte zur Abwertung manch guter inhaltlicher Auseinandersetzung. “Hättest Du nicht so viele Rechtschreibefehler, wäre deine Arbeit  eine Zwei.” Einziger Lichtblick war ein Lehrer, der als Aussenseiter im Bildungssystem, mit unkonventionellen Methoden mir die Welt des Films näher gebracht hat. Dafür bin ich mehr als dankbar.

Abgesehen von der ersten Schulliebe bin ich froh an das Thema Schulzeit einen Haken machen zu können. Denn sie hat mir nichts extrem wenig gebracht. Nur die Erkenntnis das ich “anders” bin und meinen eigenen Weg gehen muß. Ich “lerne” jetzt durch Querdenken mehr und nachhaltiger, als je zuvor. Eine Sackgasse kann einem manchmal auch die Richtung zeigen.

Welche Medien hast Du im Unterricht kennengelernt und auch selbst genutzt?

Moderne Technologien (Filmprojektor, Fernsehen und Sprachlabor) waren wie heute nur sporalisch vertreten. Da fehlte wie heute ein Konzept das nachhaltig in den Unterricht zu integrieren. Die Lehrer waren oft mit dem Umgang überfordert und der Einsatz endete oft in einem Event oder in einer Panne.

Computer gab es mal als Vorzeigeprojekt. Allerdings fehlte das pädagogische Konzept und die Kompetenz bei den Lehrern für einen sinnvollen Einsatz. Programmiersprachen zu lernen ist die sinnentleerteste Stufe des EDV-Unterrichtes. Da wurden dann 10 Schüler an einer Realschule in einer AG für ein mögliches Informatikstudium vorbereitet. Was wohl die teuerste Form der individuellen Betreuung war, denn der Informatikraum kostete damals bestimmt eine fünfstellige DM-Summe.

Welche Möglichkeiten siehst Du, die Lehrerausbildung zu verbessern?


Die Lehrerausbildung kann sich nur verbessern, wenn die Rolle des Schulsystems überdacht wird. Solange Veränderungen als zusätzliche Anforderungen auf die Ausbildung der Lehrer abgewälzt werden sehe ich schwierige Zeiten auf uns zu kommen. Lehrer sind keine eierlegenden Wollmilchsäue.

Was hältst Du davon, Blogs, Wikis, Podcasts etc. im Unterricht einzusetzen?

Gute Bildung ist keine Frage der eingesetzten Werkzeuge. Nur weil ich jetzt “exotische” Gewürze einsetze, bedeutet das nicht das ich eine gute Speise zubereiten kann. Ich muß kochen können und wissen welche Gewürze ich brauch. Die Erfahrung lehrt, das man mit Salz und Pfeffer schon sehr weit komme und weniger oft mehr ist.

Können Online-Angebote die herkömmliche Nachhilfe sinnvoll ergänzen oder sogar ersetzen?

Die Frage ist: “Was ist Nachhilfe?”. <satire> Wenn ich es als Optimierung des Wissensbulimi-Prozesses sehe, ist es wunderbar, denn es erlaubt die Kontrolle des Prozesses. </satire> Ansonsten kommt es darauf an und was schon unter (4) steht.

Und wie geht es jetzt weiter, nach all diesen deprimierenden Erkenntnissen? Mit einem Sinneswandel, der hier zwischen den Zeilen steht und der Initiative “Schule 2.0 – professionals back to school“, die zeigen will, das es auch anders geht.

Yes we can!

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5 Kommentare

  1. 1 Julian said at 21:09 on Januar 10th, 2010:

    Die Beantwortung der Fragen könnte von mir kommen ;) Auch wenn bei mir die Schulzeit erst 5 Jahre zurück reicht und ich noch mitten im Studium stecke.

    Dennoch ist es richtig, dass in der Schule viel zu wenig in Sachen Kreativ-Arbeit beigebracht wird. Recherche und die Überprüfung von Richtigkeit eines Mediums ist heutzutage meiner Meinung nach das wichtigste Instrument, um mit Wissen arbeiten zu können. Ganz nach dem Motto eines ehemaligen Musiklehrers: “Gebildet ist, der weiß wo es steht”

    Auswendig lernen ist bis zu einem gewissen Masse sinnvoll, da es in Diskussionen oft nicht ohne vorhandenes Wissen geht. Aber nur bis zu einem gewissen Masse. Denn wer nicht weiß, wie er recherchiert und überprüfen kann, ob das Gefundene der Wahrheit entspricht, der wird nicht weit kommen. Und dafür benötigt es Erfahrung. Spätestens im Studium wird es Probleme geben. Denn dort rasselt es nur so vor Hausarbeiten.

    Schüler sollten einen Unterrichtsteil a la “de Bono” erhalten, um selbstbewusst Theorien und Gesagtes überdenken zu können und konstruktiv zu arbeiten, nicht reproduktiv. Also auch mal hinterfragen dürfen. Das würde Deutschland als zukünftige Wissensgesellschaft enorm weiter bringen. Vielleicht wird Deutschland ja auch nicht die zukünftige Wissensgesellschaft… eines ist aber klar, wenn wir unser Potenzial nutzen würden, könnten wir in Sachen Wissen & Innovationen an den USA etc. locker vorbeiziehen.

    By the way: Super Beiträge über Twitter, werde nun auch das Blog abonnieren! Weiter so! :)

  2. 2 Auswertung von “Mehr Bildung in Blogs” - Literatenmelu said at 19:35 on Januar 11th, 2010:

    [...] aufmerksam geworden bin. Ebenfalls positiv überrascht bin ich über das Engagement einiger Blogger, die statt der Beantwortung der Fragen ihre eigenen Gedanken zur Thematik Bildung verfasst [...]

  3. 3 Julian said at 13:40 on Januar 12th, 2010:

    Autsch, das hätte ich ehrlich gesagt nicht erwartet, dass hier Kommentare zensiert werden. Das ist mal ganz und gar nicht Web 2.0… Ganz groß #fail

    Tipp: Lieber Kommentarfunktion abschalten.

  4. 4 Wolfgang Weicht said at 20:00 on Januar 12th, 2010:

    Kommentare moderieren bedeutet nicht sie zu zensieren. Es dient einfach nur dem SPAM Schutz. Die Kommentarfunktion abschalten ist auch Zensur.

  5. 5 Julian said at 00:29 on Januar 14th, 2010:

    Hallo, ich hatte das falsch gesehen. Als ich noch einmal reingeschaut habe, um nachzusehen ob mein Kommentar freigeschaltet wurde war er weg und ich dachte er wurde zensiert. Gerade heutzutage fände ich derlei Zensur unangebracht. Aber er ist ja nicht zensiert/gelöscht worden. Mein Browser war nur etwas langsam und hat den noch nicht freigegebenen Beitrag erst spät angezeigt, daher der vorschnelle Post und hiermit die Entschuldigung für den Vorwurf ;)