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Unload the #matrix goto #realitiy

Kategorie: Brainware | Tags: , , , , , , , | 6 Kommentare »

2Bedingt durch den anhaltenden Social Media Hype in dem manch digitaler Gutmensch (neudeutsch auch als Digital Natives oder Digital Inhabitants bezeichnet) die Chancen für einen gesellschaftlichen Wandel zum Besseren sieht und das anhaltenden analoge Medien- und Politikgepoltere der Offliner, die nun durch das Internet den völligen Verfall der Gesellschaft in Richtung Sodom und Ghomorra kommen sehen, halte ich es an der Zeit mal einen kleinen Abriss der Ereignisse zu bringen um beide Parteien auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen.

Früher war alles Besser

4Menschen haben aufgrund der immensen Informations- und Ereignisflut, die sie ihr ganzes Leben begleitet, die überlebenswichtige Eigenschaft des Filterns entwickelt. Diese Filterung führt dazu das, dass in unsere Erinnerung unwichtige Ereignisse ausgeblendet werden, was zur folge hat, dass Vergangenheit in der Regel als eine lineare Abfolge von Meilensteinen angesehen wird. Dies erklärt auf einfache weise, warum “früher alles besser war”. Wir blenden unwichtige Ereignisse aus der Vergangenheit aus, verdrängen negative Erlebnisse, wenn sie nicht ein Schlüsselerlebnis darstellen und neigen dazu die Meilensteine zu glorifizieren. Da uns nun logischer Weise keine Erkenntnisse über die Zukunft vorliegen und wir zudem in der Gegenwart mit einer gefühlten überdurchschnittlichen Anzahl von neuen Ereignissen konfrontiert werden, wird es Menschen, die an einem festen Weltbild hängen, durch aus Angst und Bang. Menschen mit einem dynamischeren Weltbild und einer explorativen Einstellung, sehen hier die Chance zur Veränderung.

Das 1×1 der Mediengeschichte

Um diese Erkenntnis reicher betrachten wir nun kurz die Mediengeschichte. Wir weisen in der Regel die Erfindung des Buchdruckes einem gewissen Gutenberg für das Jahr 1448 zu und schwelgen nun in Vorstellungen, die so oft nichts mit der Historie zu tun haben. Das Gutenberg, wie viele andere Erfinder, mehrmals fast pleite war und seine Erfindung nicht nur auf eine positives Echo gestoßen ist, sogar als ketzerisch empfunden wurde, ist heute kaum vorstellbar. Seine Idee, welche heute eine so hohe gesellschaftliche Wertschätzung widerfährt, drohte auf dem Scheiterhaufen zu enden. Zu Gutenbergs Zeiten ging es auch um Zensur und Raubkopierertum. Die Parallelen zwischen gedrucktem und digitalem Kommunikationswandel sind also mehr als deutlich. (Mehr dazu unter “Good Copy Bad Copy” und “Steal This Film”)
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Auch im weiteren epochalen Verlauf der Mediengeschichte haben wir gewisse historische Schlüsselmomente. 1895 schreibt man den Brüdern Lumiere die Entwicklung des Cinematographen zu und so reit sich dann eine technische Erfindung an die andere. Es folgen Radio und Fernsehen. Und auch für die Entwicklungen im Bereich Computer haben wir erste Meilensteine mit Internet und WWW. Mit dem Ergebnis das im historischen Rückblick die Abfolge der technischen Epochen sowohl logisch als auch strukturiert erscheint.

3Betrachten wir nun die Gegenwart und hier das Internet im speziellen mit der uns umschwirrenden Begriffswolke, so haben wir das Gefühl im Chaos der Möglichkeiten zu versinken. Wir sehen uns einer Flut von Informationen und Möglichkeiten ausgeliefert, ohne die wir angeblich nicht mehr leben können. Die Sehnsucht nach Struktur, so wie es uns die Geschichte zeigt wird in manchem Skeptiker wach.

Betrachtet man nun jedoch die medialen Epochen im Detail, fällt auf, das auch zu Zeiten der Lumieres und andere es immer Parallelentwicklungen gab, sich Erfindungen gegenseitig inspirierten und erst möglich machten. Manch Erfinder wurde einfach seiner Idee beraubt, und manch andere Vision endete als Anekdote in Wikipedia.

Eigentlich war’s früher genauso wie heut’. Chaos im Reich der Möglichkeiten. Manches setzt sich durch und vieles eben nicht. Wir können also beim Thema Social Media die Kirche getrost im Dorf lassen. Es wird sich etwas ändern, aber die Veränderung wird nicht so dramatisch sein wie manche es sich wünschen und andere befürchten.

Analog vs. Digital

Was ist nun das Mantra aller Medien? Es geht um den Austausch von Informationen zwischen einem Sender und einem Empfänger. In der analogen Welt war dies immer technisch bedingt ein Monolog. Die große Veränderung setzte jedoch mit den digitalen Medien ein, die es einem Empfänger nun ermöglichten auch zum Sender zu werden und das war schon weit vor Web 2.0 der Fall.

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Es war vor allem “The Well” mit dem ich dies am eigenen Leibe erfahren durfte. Ok. Die Technik war krude und das Interface von minimaler Gestalt, doch Faszination und Inspiration persönlich so beeindruckend, das die Lernkurve um eine Telnet-Session zu meistern gerne genommen wurde. Es herrschten die selben Mechaniken wie bei Web 2.0, nur das es Werbefrei und der Bildschirm schwarz/weiß war. Auch hier gab es eine soziale Vernetzung, die eine kollektive Intelligenz entwickelte und dabei oft anspruchsvoller wals als manches heutige Social Network. Wenn also jemand das Web 2.0 erfunden hat, dann waren es nicht die digitalen Kapuzen, sondern die digtalen Hippies um Howard Rheingold.

Technik vs. Bedürfnisse

Auch wenn sich technische Möglichkeiten laufend differenzieren und erweitern, so zweigt sich das die grundlegenden kommunikativen Bedürfnisse der Menschheit eher konstant sind. Menschen wollen etwas erschaffen, sie wollen sich verbinden, Veränderungen herbeiführen und für das geleistete eine Reaktion erfahren. Dies ist es was Goethe antrieb, genauso wie die kleine Lisa mit ihren Wachsmalstiften oder Annellchen mit ihrem Blog. Wir können also festhalten, die Revolution durch Social Media nichts anderes ist als die logische Permutation menschlicher Bedürfnisse, wie wir sie schon seit Gutenberg kennen.

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Social Media ist nur erfolgreich, weil es diese grundlegenden menschlichen Bedürfnisse befriedigt, die jedoch logischer Weise von uns unterschiedlich aufgenommen werden, da die kommunikativen Bedürfnisse unterschiedlich ausgeprägt sind. Forester Research hat daraus ein Web 2.0 Personas Modell entwickelt, was sich wunderbar mit den Ausführung von Malcolm Gladwell in “The Tipping Point” deckt, in dem er die Persona Modelle im gruppendynamischen Kontext anhand von historischen Ereignissen beschreibt.

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Die Welt verbessern 2.0

Nun will ich hier nicht als Denunziant der Blogosphäre enden und mit meinen Gedanken zur Verbesserung der Situation abschließen. Wer mit den Chancen von Social Media etwas im gesellschaftlichen Kontext bewegen will, muss innerhalb seines eigenen Systems eine kritische Masse erreichen (siehe Petition zu Zensursula), Kritiker ignorieren (siehe Internetausdrucker), aber vor allem die große Masse der Unwissenden überzeugen.

Tod der Begrifflichkeit

1Menschen die nun den Einstieg in den kommunikativen Bereich des Internets wagen werden mit einem Meer an Begrifflichkeiten konfrontiert und jeden Tag kommen neue Tags und neue Hypes hinzu, die im Kern immer wieder die selben kommunikativen Mechaniken beschreiben und sich nur noch in Details voneinander unterscheiden. Wer sich hinter Wordmonstern wie Digital Natives verstecken muß, braucht sich nicht wundern wenn ihn keiner Versteht und er wie ein Exot im Zoo angesehen wird. Durch solche Worthülsen verliert das Thema Social Media jeglichen Realitätsbezug für Neueinsteiger. Wir müssen die Sache einfacher machen und nicht komplizierter. Denn nur wenn Menschen wissen, das sie sich auf sicherem Terrain befinden und dort das vorfinden, was ihren Gewohnheiten entspricht und ihre Bedürfnisse dort auch befriedigt werden, werden sie vom Offliner zum Onliner.

Darüber reden reicht nicht

Mit dem Internet ist es wie mit Sex. Darüber reden ist schön, es zu tun ist viel schöner. Wenn man uns verstehen soll, dann sollten wir nicht endlos darüber philosophieren wie schön die Welt im Web aussehen könnte. Nehmt Offliner an die Hand, macht mit ihnen Projekte und sprecht ihre Sprache. Schalte deinen Rechner aus und gehe hinaus in die Welt. Sofort. Los mach schon.

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6 Kommentare

  1. 1 Tweets die X erwähnen Masse 2.0 ://blog » Blog Archive » Unload the #matrix goto #realitiy -- Topsy.com said at 14:35 on September 22nd, 2009:

    [...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Schule 2.0 und Schule 2.0. Schule 2.0 sagte: #KritscheMasse : Unload the #matrix goto #realitiy http://ow.ly/qrKR [...]

  2. 2 Lisa Rosa said at 15:18 on September 22nd, 2009:

    Also, wenn wir die historische Analogie Erfindung des Buchdrucks / Erfindung des Internet gelten lassen – und es spricht alles dafür, dass sie etwas taugt -, dann wird es tatsächlich dramatisch. Wir sind bloß mittendrin, deswegen erscheint es uns nicht so. Aber die Menschen, die die Medienrevolution zum Leitmedium Buchdruck miterlebt haben, staken auch mittendrin und merkten nicht, dass sie am Beginn der Transformation zu einer neuen Gesellschaftsformation standen.

  3. 3 Helge said at 22:01 on September 24th, 2009:

    Da sprichst Du gelassen aus, was ich ähnlich denke: “[...] digitaler Gutmensch (neudeutsch auch als Digital Natives oder Digital Inhabitants bezeichnet) [...]” – Man kann die Menschen auch einfach mitnehmen auf die Reise ohne einen Berg von Pseudobegriffen mit denen man sich versucht abzugrenzen von den vermeintlich “Unwissenden”.

    Doch das glatte Gegenteil ist derzeit der Fall, statt Brücken zu bauen, sollen Gräben ausgehoben werden. Jetzt möchte DNAdigital die digitalen Gutmenschen (also sich selbst) unter dem Magnetresonanztomografen legen, um zu “beweisen”, dass der digitale Gutmensch ein anderes Gehirn hat als der “Unwissende” digitale Immigrant. Erst wenn der Graben tief genug ist, kann man Brücken verkaufen, so ist das eben.

    Siehe hierzu http://www.dnadigital.de “Neuropsychologisch, bildgebende Tests von DNAs und Immigrants” – URL: http://www.dnadigital.de/networks/blog/post.jorma555:4

    Dabei gäbe es bereits tiefe Gräben genug, über die man Brücken bauen könnte. Nur sind das dann eben “uncoole” und nicht “hypefähige” Brücken mit so uncoolen Namen wie die “Probier es einfach mal selbst aus!”-Brücke, oder die “Du bist kein Einzelfall, jeder kennt nur einen Bruchteil des Internet, das wird immer so sein.”-Brücke, oder die “Alter ist völlig egal, jeder ist fit für das Internet, sofern er seinen Verstand benutzen kann.”-Brücke.

    Halt völlig uncoole und unhypebare Brückenkonstruktionen, mit denen sich keine Aufmerksamkeit, kein Lobbying und somit auch kein Produktverkauf realisieren lässt.

    Drüber reden reicht nicht, das stimmt, Gegenreden und Tun hilft!

  4. 4 del.icio.us Bookmarks vom 16. Oktober bis 23. November | E-Learning 2.0 said at 13:01 on November 23rd, 2009:

    [...] Masse 2.0 ://blog » Blog Archive » Unload the #matrix goto #realitiy – Wirklich gelungener Beitrag zum Thema "Digital Natives" bzw. Online vs. Offline mit dem Fazit: "Mit dem Internet ist es wie mit Sex. Darüber reden ist schön, es zu tun ist viel schöner. Wenn man uns verstehen soll, dann sollten wir nicht endlos darüber philosophieren wie schön die Welt im Web aussehen könnte. Nehmt Offliner an die Hand, macht mit ihnen Projekte und sprecht ihre Sprache." [...]

  5. 5 Nachrichten aus der Netzwelt #9 | Internet Gesellschaft said at 23:56 on Dezember 18th, 2009:

    [...] Unload the #matrix goto #realitiy (Masse [...]

  6. 6 Masse 2.0 ://blog » Blog Archive » voelkerkunde.net : mehr Kultur war nie said at 22:31 on Dezember 19th, 2009:

    [...] Leben ist viel zu kurz um langweilige Sachen zu machen. Bevor ich nun weiter darüber philosophiere an was es dem ganzen Thema Web 2.0 mangelt, zeigen wir mal was man damit so alles lustiges machen kann. Nämlich die Grenzen zwischen Analog [...]


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