"Jede Folgerung, die wir aus unseren Beobachtungen ziehen, ist meistens voreilig: Denn hinter den wahrgenommenen Erscheinungen gibt es solche, die wir undeutlich sehen, und hinter diesen wahrscheinlich noch andere, die wir überhaupt nicht erkennen." Gustave Le Bon

Die Macht der Masse


Erstellt: 28. August 2009 | Autor: Wolfgang Weicht | keine Kommentare »
Kategorien: Sozialarchitektur

Macht der Masse

Die großen Veränderungen durch das Medium Internet, die den gesellschaftlichen Umbrüchen vorausgegangen sind, scheinen auf den ersten Blick durch bedeutsame technische Veränderungen bestimmt zu sein: sei es die digitale Verfügbarkeit und Produktion von Inhalten oder die Möglichkeit zur digitalen Kommunikation über alle Grenzen hinweg und rund um die Uhr.

Diesen scheinbaren Ursachen liegt jedoch eine tiefergehende Veränderung der gesellschaftlichen Sichtweise zugrunde. Es ist also nicht das Web 2.0, das uns durch seine Möglichkeiten und Ausmaße verwundert. Die einzige bedeutsame Veränderung dabei vollzieht sich innerhalb der Anschauungen, Begrifflichkeiten und Werten der Menschen, die dieses Medium nutzen. Sie werden die kulturelle Erneuerung einleiten, denn die bemerkenswertesten Ereignisse der Geschichte sind die sichtbaren Wirkungen von unsichtbaren Veränderungen des menschlichen Denkens.

Macht der MasseDieser Prozeß findet selten statt und braucht seine Zeit, da sich das Erbgut der sozialen Gefühle nur langsam verändert. Ideen und Werte der Vergangenheit, obwohl schon halb zerstört, sind noch sehr mächtig Sie sind über Jahre gewachsen, und die Ideen, die sie ersetzen sollen, sind erst in der Bildung begriffen. So ist die jetzige Situation, wie wir sie in der Diskussion zum Thema Informationsfreiheit und Copyright sehen, logischerweise eine Zeit des Überganges und der Anarchie.

Das menschliche Denken hat sich von alten Ideen noch nicht gelöst und neue Werte sind noch nicht als gegeben allgemein anerkannt. Die Frage nach Open Access, des Verzichts von Besitzansprüchen an Erkenntnissen und der Verpflichtung zum offenen Wissensaustausch, hat im Moment keinen gesellschaftlichen Konsens, doch wird sie langfristig durch das egoistische und altruistische Wesen des Menschen beantwortet werden.

Was aus diesem notwendigen Chaos hervorgehen wird, ist im Moment nicht leicht zu sagen. Auf welchen Grundgedanken wird sich unsere Gesellschaft in Zukunft aufbauen? Wir können es nicht vorhersagen. Aber schon jetzt ist klar, dass bei der Organisation die Macht der Masse ein wichtiges Element sein wird.

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