Der digitale Tellerrand
Kategorie: Brainware, Schule 2.0 | Tags: Gene Koo, Harvard, Schule 2.0, Social Networks, techpresident.com | Kommentare deaktiviert
Aus der Vernetzung von Menschen ergeben sich viele Veränderungen für die Art und Weise, wie wir bis dahin das System “Gesellschaft” gesehen haben. Es ergeben sich Veränderung in der Wirtschaft, innerhalb von Unternehmen und auch in der Bildung. Der Blick über den Tellerrand der eigenen Thematik zeigt dann oft, das andere Bereiche mit vergleichbaren Herausforderung zu kämpfen haben.
Gene Koo vom Berkman Center for Internet & Society an der Harvard Universität schreibt über die Möglichkeiten, die sich für Bürger und Politiker im öffentlichen Dienst und auf regionaler Ergeben ergeben, wenn Internettechniken zum Einsatz kommen und die globalen Möglichkeiten des Mediums auf die regionalen Bedürfnisse wieder runter gebrochen werden. Das Bürgerbegehren z.B. durch einen einfachen Mausklick geäußert werden kann. Seinen Artikel Engineering a better virtual town hall auf techpresident.com kann man dabei wunderbar für die Planung einer “virtuellen Schule” heranziehen.
Wo liegen also die großen Herausforderungen für eine Schule, wenn sich sich digital öffnet?
- Verletzbarkeit: Netzstrukturen sind sowohl sehr autarke als auch instabile Strukturen. Autark, weil sie keine zentrale Kommandozentrale besitzen und sich die einzelne Bereiche selbständig weiterentwickeln können, aber auch instabil, weil negative Einflüsse sich im schlimmsten Fall auf die ganze Struktur auswirken können und das Netz komplett unbrauchbar machen. In der Praxis kennen wir dieses Problem in Form von Viren & Spam, die Plattformen unbrauchbar machen können und in Form von menschlichen Trollen, die das inhaltliche Niveau auf den absoluten Nullpunkt bringen können. Die technischen Probleme lassen sich dabei durch ein mehrstufiges Konzept an Benutzergruppen lösen, dem menschlichen Problem begegnet man indem jeden Nutzer, auch wenn er Online ein Pseudonym benutzten darf, Offline eine greifbare Person gegenübersteht, das System der persönlichen Verantwortung durch praktische Medienkompetenz greift.
- Moderation: Netzstrukturen lassen sich nicht kontrollieren, denn damit verlieren sie ihren Charakter, aber sie sollten moderiert werden und etwas Ordnung in das mögliche Chaos zu bringen. Hier gilt es die große Datenwolke einer Plattform gut zu Strukturieren, damit der Benutzer nicht die Orientierung verliert und Gruppen von Benutzern leicht zueinander finden. Moderation innerhalb einer Online-Plattform bedeutet nicht Kontrolle der Inhalte, sondern Strukturierung der Inhalte. Diese Thematik reguliert sich innerhalb einer Online-Plattform oft von selbst, wie man am Beispiel von Wikipedia sehen kann. In der Praxis sollten erfahren Nutzer Verantwortung für Teilbereiche der Datenwolke und einzelne Usergruppen übernehmen, was am besten gelingt, wenn man sich auch Offline kennt und nicht anonym agiert.
- Interaktion: Bildung ist der Transfer von Wissen in Form von Kommunikation. Das Internet als Kommunikationsmedium ist daher prädestiniert für diesen Transfer. Sich darauf zu beschränken Arbeitsblätter in Form von PDFs abzulegen wird den Möglichkeiten nicht gerecht. Die Herausforderung liegt dabei in der Interaktion zwischen den Gruppen (wie sorge ich dafür das sich Interessengruppen bilden und wie kann ich diese verbinden), der Interaktion mit dem Wissen (Möglichkeiten der digitalen Darstellung), aber auch der Interaktion zwischen verschiedenen Wissengruppen (Unterrichtsübergreifende Darstellung zu einem Thema).
- Persönlichkeit: Einer der Stärken des Mediums ist die Möglichkeit der Personalisierung. Inhalte können sich dabei dem Benutzer anpassen, der Benutzer kann dabei Inhalte aber auch eigenen Bedürfnissen anpassen. Die Herausforderung besteht also nicht darin eine digitale Lernplattform zu gestalten, sondern die Rahmenbedingungen zu schaffen, damit es benutzergerechte und personalisierte Lernumfelder und Sichweisen auf die Datenwolke Wissen gibt.
- Internet: Für die heutige Jugendgeneration ist Internetkommunikation so selbstverständlich, wie für Opa der Tanztee. Wer also über digitale Lernumgebungen nachdenkt, sollte sich an den gegebenen Nutzergewohnheiten und Verhalten orientieren und keine eierlegende Wollmilchsau planen, sondern auf die Werkzeuge des Alltages zurückgreifen und die Idee der Social Networks einfach in das System der Schule übertragen.
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